Deutsche Sprache

„Kein Buch mit sieben Siegeln“

Von Geburt an wächst das Kind in eine symbolisch und sprachlich geordnete Welt hinein. Kommunikation und Sprache sind von grundlegender Bedeutung, eine eigene Identität zu entwickeln. Unter Berücksichtigung der sehr heterogenen Lernvoraussetzungen unserer SchülerInnen hat es sich die Deutsch-Planungsgruppe unserer Schule zur Aufgabe gemacht, die vielfältigen Formen zur Verständigung, Beziehungsgestaltung wie auch zum Erwerb von Kenntnissen über Sachzusammenhänge der Umwelt und Kulturtechniken zu beleuchten. Hinsichtlich der individuellen Lernausgangslage erschließen sich die SchülerInnen Sprache körperlich, mündlich, schriftlich, bildlich oder gebärdend bzw. in Kombination einiger oder aller genannten Darstellungsformen. Für alle SchülerInnen unserer Schule wird ein Zugang zur Sprache geschaffen. Es wird sicher gestellt, dass sie von Anfang an in ein verbalsprachliches, gebärdendes, bildliches und schriftliches Umfeld eingebunden sind. Im Unterrichtsfach Sprache-Deutsch werden elektronische Medien als Unterrichtshilfen oder individuelle Hilfsmittel eingesetzt.

Das Planungsteam hat sich zudem mit der einheitlichen Einführung eines Manualsystems beschäftigt: Handzeichen sollen den SchülerInnen helfen, Laute und Buchstaben zu erkennen und zu unterscheiden. Die Vorzüge des rhythmisierenden Sprechens und des „synchronisierten Sprech-Schreibens“ gemäß der Fresch-Methode wurden im Planungsteam diskutiert und dem Gesamtkollegium vorgestellt. Weiterhin überprüfte das Planungsteam die in der Schule vorhandenen Leselehrgänge hinsichtlich ihrer Eignung für den Erstleseunterricht unserer SchülerInnen. Je nach Leistungsstand der SchülerInnen wird neben der Druckschrift auch die Lateinische Ausgangsschrift eingeführt. Zum Sprachunterricht gehört - insbesondere in den Außenklassen unserer Schule - auch der Englischunterricht.

Deutschunterricht – eine Facette unterschiedlichster Vermittlungsformen

Das Lesen von Schrift ist ein sehr komplexer und vielschichtiger Vorgang: die Kenntnis der Buchstaben, Zuordnung der Laute zu den Schriftzeichen, die Technik des Zusammenschleifens der Laute, die lautsprachliche Realisierung und schließlich die Sinnentnahme nicht nur einzelner Wörter, sondern ganzer Sätze. Dies sind kognitive Anforderungen, die nicht von allen Menschen mit geistiger  Behinderung geleistet werden können. Wir arbeiten nach dem erweiterten Lese- und Schreibbegriff (nach Hublow), bei dem das Spektrum des „Lesens“ sehr viel weiter gefasst wird. Schülern wird ein Unterricht geboten, der eine Orientierung in ihrer Lebenswelt ermöglicht, auch wenn Schriftsprache nicht ausreichend erlernt werden kann. Dazu bieten wir Lerngruppen für die folgenden Lesestufen an und halten die Übergänge zur Weiterentwicklung von einer Stufe zur nächsten immer offen: - Situationen lesen (z.B. erkennen, dass das Einpacken der Badetasche heißt, dass wir heute Schwimmen gehen) - Bilder lesen (Wörter, Begriffe und Inhalte werden durch bildliche Darstellungen repräsentiert und zur Information genutzt -  Bildzeichen / Piktogramme lesen (Benutzen schematisierter und stilisierter Teilabbildungen, wie sie im öffentlichen Raum verwendet werden, Wie z.B. die gängigen Symbole für „Toilette“, „Ampelmännchen“, „Hunde verboten“ etc. als Handlungshilfen) - Signalwortlesen ( bekannte Schriftzüge wie z.B. Mc Donalds, Post, Coca Cola, Stop-Schild etc. zur Orientierung im Alltag nutzen) - Ganzwortlesen (erkennen des Wortes an seiner Gestalt, eher bildhaft und an markanten Merkmalen wie Ober- und Unterlängen unterscheiden) - Schriftlesen (Buchstaben kennen und sinnvoll zusammenschleifen). Und natürlich umfasst ein guter „Deutsch“- Unterricht auch jede Form der Kommunikationsförderung im mündlichen Bereich und bietet Hilfen in Unterstützter Kommunikation für nichtsprechende Schüler an.

Fresch-Methode - Hilfen im Lese- und Schreiblernprozess

Die ursprünglich von Frau Buschmann an der Schulpsychologischen Beratungsstelle Waldshut entwickelte Methode „Dynamisch – Integratives Sprechen Schreiben Lesen“ hat längst die Kreis- und Landesgrenze überschritten und wurde als „Fresch-Methode“ weiterentwickelt. Gemäß dieser Methode steht das Zusammenspiel – die „Synchronisierung“ – der visuellen und auditiven Wahrnehmung mit der Artikulation und der Bewegung (von der ganzkörperlichen Bewegung bis zur Schreibmotorik) im Vordergrund.

Beim rhythmisch-melodischen Sprechen und Sprechschwingen (Mitführen der Schreibhand in Form eines Girlandenbogens) werden Sprache und Bewegung synchronisiert. Über diese Übungen des rhythmisch-melodischen Sprechschwingens wird nicht nur die Artikulation bewusster wahrgenommen und verbessert, sondern auch die Schreib-Leserichtung gefestigt. Aufbauend darauf kann die Synchronisierung der Sprech- und Schreibmotorik geübt werden (vgl. hierzu Bettina Rinderle in: - FRESCH für den Anfangsunterricht, -Trainingstexte Rechtschreibung für LRS-Kinder oder -Gut in FRESCH).

Handzeichen und Mundbilder (Manualsystem)

Unterstützend werden an unserer Schule beim Schriftspracherwerb Handzeichen und Mundbilder eingesetzt. Um auch artikulatorischen Schwierigkeiten unserer SchülerInnen gerecht zu werden, haben wir uns für ein phonembestimmtes Manualsystem (modifiziert nach: PMS von Schulte, Heidelberg) entschieden. Das Handzeichen zum jeweiligen Buchstaben (Graphem) gibt dem Schüler Informationen über die jeweilige Artikulationsstelle, über Stimmgebung oder Stellung von Mund oder Zunge während der Laut (Phonem) gebildet wird.

Schreiblehrgänge im Anfangsunterricht

Im Anfangsunterricht haben sich an unserer Schule zwei Lese- und Schreiblehrgänge mit folgenden Vorteilen für unsere SchülerInnen bewährt:

  • Momel: attraktive Handpuppe, mit der Buchstaben eingeführt werden
  • anfängliche Kombination mit Ganzwörtern, die aber innerhalb der nächsten Kapitel „erlesbar“ werden
  • primär phonembestimmtes Manualsystem
  • Leselehrgang, der an Förderschulen in der Region eingesetzt wird (Kooperationsmöglichkeit)
  • Es gelingt den SchülerInnen sehr schnell einfache Satzmuster einzuüben oder mit Sprache zu spielen, in dem Satzstrukturen verändert werden („Momel mag Autos. Mag Momel Autos?“) 

ABC der Tiere 1 und 2:

  • Berücksichtigung des Silbenlesens gemäß der FRESCH-Methode
  • kombiniertes Ganzwortlesen
  • systematische Entwicklung der Orthografie über den Rhythmus
  • differenzierte Angebote zum sinnerfassenden Lesen mit anschließender Textbearbeitung
  • vielfältige Textangebote mit aktueller Kinderliteratur (ABC der Tiere 2)
  • häufig benutzter Leselehrgang an Grundschulen in der Region (Kooperationsmöglichkeit)